DAC4EU: Sechs Jahre Innovation für den europäischen Schienengüterverkehr
Die Digitale Automatische Kupplung, kurz DAK, gilt als Schlüsseltechnologie für die Modernisierung und Digitalisierung des europäischen Schienengüterverkehrs. Sie verbindet Güterwagen nicht nur mechanisch und pneumatisch, sondern ermöglicht zugleich die durchgängige Stromversorgung und Datenkommunikation im Zug. Damit schafft sie wichtige Voraussetzungen für effizientere Betriebsabläufe sowie für längere, schwerere und schnellere Güterzüge.
Von Juni 2020 bis Juni 2026 hat das DAC4EU-Konsortium die DAK in sechs aufeinander aufbauenden Projektphasen umfassend getestet und unter realen Bedingungen erprobt. Darauf basierend waren Weiterentwicklungen und Optimierungen der Systeme durch die Hersteller möglich. Die Arbeitsgemeinschaft wurde von der Deutschen Bahn AG als Konsortialführerin geleitet. Beteiligt waren außerdem DB Cargo, Rail Cargo Austria und SBB Cargo sowie die Wagenhalter Ermewa, GATX Rail Europe und VTG Rail Europe. Gemeinsam bringen die Partner die Erfahrung aus mehr als 220.000 Güterwagen im europäischen Schienengüterverkehr ein.
Das Bundesministerium für Verkehr finanzierte die operative Durchführung des Projekts mit rund 30 Millionen Euro. Zusätzlich investierte das Konsortium mehr als zwei Millionen Euro in über 50 DAK-Prototypen und weitere technische Komponenten. Mehr als 200 Mitarbeitende der Projektpartner brachten ihr Fachwissen in rund 36.000 Arbeitsstunden ein.
Zu Beginn des Projekts wurden unterschiedliche Kupplungssysteme verschiedener Hersteller systematisch getestet. Die Ergebnisse bildeten eine wichtige Grundlage für die europäische Entscheidung im European DAC Delivery Programme (EDDP) zugunsten des Scharfenberg-Designs. Anschließend wurde ein Demonstratorzug mit insgesamt 24 Güterwagen aufgebaut. Dieser legte mehr als 15.000 Kilometer in Deutschland und elf weiteren europäischen Ländern zurück. So konnten unterschiedliche Infrastrukturen, klimatische Bedingungen und betriebliche Abläufe berücksichtigt werden.
Das Testprogramm umfasste mehr als 4.000 Kuppelvorgänge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Beladungszuständen und Gleisgeometrien. Hinzu kamen Fahr- und Rangierfahrten, Versuche im Ablaufbetrieb, Wintertests bei Schnee und Eis sowie Klimakammertests bei Temperaturen zwischen - 20 und + 45 Grad Celsius. Gleichzeitig wurden die Energieversorgung, die Datenkommunikation und das Zusammenspiel von Komponenten verschiedener Hersteller untersucht. Die dabei entwickelten Test- und Nachweisverfahren haben sich europaweit als wichtige Referenz für neue DAK-Systeme etabliert.
Im Verlauf des Projekts zeigte sich, dass die Entwicklung der DAK mehr Zeit und zusätzliche Erprobungen erforderte als ursprünglich vorgesehen. Deshalb wurde DAC4EU schrittweise um weitere Projektphasen ergänzt. Der kontinuierliche Austausch zwischen Eisenbahnunternehmen, Wagenhaltern, Herstellern, Forschungseinrichtungen und Prüfstellen trug entscheidend dazu bei, die Systeme zu verbessern und ihren technischen Reifegrad zu erhöhen.
Zum Abschluss konzentrierte sich DAC4EU auf die Qualifikation der Komponenten und die Erprobung unter kommerziellen Bedingungen. Dafür wurde bei der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) ein Zug aus elf Güterwagen und einer Lokomotive vollständig auf die DAK umgerüstet, genehmigt und erfolgreich in Betrieb genommen. Damit realisierte DAC4EU den ersten voll funktionsfähigen DAK-Zug im kommerziellen Einsatz in Europa.
Das Projekt hat gezeigt, dass die DAK als Grundlage für die Digitalisierung und Automatisierung des Schienengüterverkehrs funktioniert. Auch wenn einzelne Komponenten und Prozesse weiter optimiert werden müssen, ist ein Reifegrad erreicht, der die nächsten Schritte hin zur kommerziellen Erprobung, Zulassung und europaweiten Einführung ermöglicht.
DAC4EU steht damit für sechs Jahre intensive Zusammenarbeit, wichtige technische Fortschritte und einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem leistungsfähigeren und zukunftsfähigen europäischen Schienengüterverkehr.