Betriebserprobung Phase II
Zielsetzung
Das Pilotprojekt soll die technische Datengrundlage liefern, damit eine europaweite Migration einer DAK umgesetzt werden kann. Dabei war das Ziel von Phase II die Durchführung von Kuppel- und Fahrversuchen in Szenarien, die dem regulären Betrieb des Schienengüterverkehrs (SGV) entsprechen. Dazu wurden über 25 Rangierbahnhöfe europaweit angefahren, um die Funktionalitäten der DAK zu testen. Hierzu gehörten Versuche am (automatisierten oder manuellen) Ablaufberg, im Gefällebahnhof, im Rangierbahnhof mit Hemmschuhbetrieb sowie im Hafenterminal mit Gleisanschluss oder Kundengleisanschlüssen. Es wurden weiterhin die betrieblichen Prozesse begutachtet und Optimierungsmöglichkeiten erörtert, die die Einführung der DAK in den Regelbetrieb begünstigen sollen. Analog wurde die Bedienung der DAK bewertet und hierfür Optimierungsbedarfe identifiziert.
Im Fokus der Untersuchungen standen sowohl das mechanische Verhalten der Kupplungsdesigns als auch die elektrischen Eigenschaften der Elektro-Kupplungen für die Übertragung von Strom und Daten.
Testfälle
Die Tests der DAK erfolgen in realen Betriebsszenarien. Folgende Testschwerpunkte mit ihren jeweiligen Testfällen wurden definiert:
Ebenerdiges Rangieren
Wagen oder Wagengruppen werden mit einer Rangier- oder Funklok unter unterschiedlichen Bedingungen von Gleis zu Gleis bewegt und z. B. mit Hemmschuhen abgesichert.
Wagenablauf mit Ablaufberg, nicht automatisiert, im Hemmschuhbetrieb
Wagen werden mit einer Rangier- oder Funklok über den Ablaufberg gedrückt und rollen mit Schwerkraft ab. Schlecht- und Falschläufer werden ins Richtungsgleis zurückgedrückt und der Vorgang wiederholt.
Wagenablauf mit Ablaufberg, vollautomatisiert (Ablaufsteuerrechner und Beidrückanlage)
Wagen werden über den Ablaufberg gedrückt und entsprechend den Laufeigenschaften und dem Gewicht rechnergesteuert gebremst.
Wagenablauf im Gefällebahnhof, nicht automatisiert, im Hemmschuhbetrieb
Aufgrund des Gefälles des Bahnhofs rollen die Wagen in die Richtungsgleise.
Wagenablauf im Gefällebahnhof, vollautomatisiert (mit Ablaufsteuerrechner)
Aufgrund des Gefälles des Bahnhofs rollen die Wagen in die Richtungsgleise und werden entsprechend den Laufeigenschaften und dem Gewicht rechnergesteuert gebremst.
Strom- und Datenmessungen
Im Folgenden ist die Übersicht der Strom- und Datenmessungen in Phase II dargestellt.
Energieversorgung | Datenübertragung |
|---|---|
Nachweis der Zuverlässigkeit der Elektrokupplung und der Verfügbarkeit der Energieversorgung einschließlich der Pufferbatterie in der Betriebserprobung. | Kontinuierliche Messung des ausgewählten Kommunikationssystems anhand eines Konzepts zum Betrieb auf dem Demonstratorzug. Adaptierung der Testkonzepte aus Phase I für die Tests der Phase II mit Optimierungen für das ausgewählte Kommunikationssystem. |
Kontinuierliche MessungenKontinuierliche Erfassung relevanter Größen (Versorgungsspannung, Leistungsbedarf) und der Integrität des Versorgungsnetzes (Isolationsmonitoring). | Generierung von Datenlasten zur Messung des Datendurchsatzes, Messung der Performance hinsichtlich Latenz. |
Wiederkehrende PrüfungenÜberwachung der ordnungsgemäßen Funktion der Komponenten im Versorgungsstromkreis, Messung der Übergangs- und Isolationswiderstände, Bestimmung des Lade-/Entladeverhaltens der Pufferbatterien. | Bestimmung der Zuverlässigkeit/Verfügbarkeit des Kommunikationssystems anhand der Messung des Ausfalls von Paketen/Nachrichten (Packet Error Rate). |
Messung der Initialisierungszeit des Kommunikationssystems in der Praxis. |
Messtechnik
In Phase I lag der Fokus auf detaillierten Messungen der immer gleichen Wagenkonfiguration und dem Vergleich der verschiedenen DAK-Designs. Strom zum Laden der Systeme oder zum Betreiben der Hardware war grundsätzlich vorhanden und verfügbar.
Mit dem Beginn von Phase II wurden die Versuche nicht mehr auf einem festen Test-Gelände, sondern auf Anlagen in ganz Europa durchgeführt. Auch die Fahrten dorthin wurden gezielt genutzt, um Erkenntnisse über das Verhalten des Zuges während der Fahrt zu gewinnen. Das Messsystem wurde hierzu in zwei Modi ausgelegt. Für die Zugfahrten wurden alle Wagen entweder über die DAK oder per Kabel verbunden wurde so zum Betrieb der Messtechnik genutzt. Alle Messdaten wurden in diesem Fall direkt auf den Messwagen übertragen. In diesem Modus ist ein Trennen der Kuppelstellen auf Grund der Kabel nicht ohne weiteres möglich gewesen.
Für Versuche im Rangierbetrieb sind diese Verbindungen folglich nicht vorhanden gewesen und die Wagen mussten autark messfähig sein. Hierzu wurden einzelne Wagen mit eigenen Batterien und eigenen Datenerfassungsgeräten ausgerüstet.In Summe ergaben sich sechs verschiedene Ausrüstungskategorien für die Wagen, die in der folgenden Tabelle aufgelistet sind.
Darstellung der Kategorien für instrumentierte Wagen inkl. verbauter Sensoren
Kategorie | Autarkmessfähig? | Sensoren | Wagentypen |
|---|---|---|---|
A | ✔️ |
| S-WagenH-Wagen |
B | ✔️ |
| H-Wagen |
C | x |
| Z-WagenE-Wagen |
D | x |
| Z-Wagen |
E | x | (Wagen dient nur als Signalverstärker) | S-Wagen |
F | x | Uas-WagenF-Wagen |
Erprobungsorte
Die Testdurchführung erfolgte an Betriebsstandorten und auf Strecken mit spezifischen Charakteristika.
In Abbildung 1 sind die Rangierbahnhöfe dargestellt, die im Zuge der Betriebserprobung bis 2022 angefahren wurden.
Legende: dunkelblau = Konsortialpartner (D, CH, A); türkis = Test-Länder (F, PL, CZ); rosa = Kooperationspartner (S); Marker = Versuchsorte (siehe Tabelle)
Versuchsorte
Deutschland | Schweiz | Österreich | Polen | Tschechien | Frankreich | Luxemburg |
|---|---|---|---|---|---|---|
Mannheim/Ludwigshafen | Basel | Rankweil | PoznańFranowo | Ostrava | Straßburg | Bettemburg |
München Nord | Zürich | Selzthal | Wapienno | Brno-Maloměřice | ||
Ingolstadt | Gotthard | Niklasdorf | DąbrowaGórnicza | Plzeň | ||
Nürnberg | Wien | ZabrzegCzarnolesie | ||||
Kassel/Bebra | Zebrzydowice | |||||
Bremerhaven | ||||||
BremenSebaldsbrück |
Demonstratorenzug in Phase II
Für die Phase II wurde der DAC4EU-Demonstratorzug sukzessive auf 20 Wagen mit dem ausgewählten Scharfenberg- bzw. Latch Type Kupplungsdesign aufgerüstet. Dabei wurden drei neue Wagenarten hinzugefügt:
Im Rahmen der Versuche diente die Zugintegritätskontrolle als Überwachung der Kommunikationssysteme. Es war zu jeder Zeit bekannt, dass der Zug vollständig war, so dass diese Information ohne Unterbrechung durch die Systeme geliefert werden musste.
Automatisierungskomponenten im Demonstratorzug
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt während der Phase II ist die Auswahl geeigneter Automatisierungskomponenten zum Nachweis der Funktionalität der Strom- und Datenversorgung im Demonstratorzug gewesen.
In der Phase II wurden folgende Funktionalitäten bzw. Automatisierungskomponenten aufgebaut werden: