Komponentenqualifikation und Erprobung im kommerziellen Betrieb Phase V und VI
Mit den Projektphasen V und VI erreichte DAC4EU einen wichtigen Meilenstein: Erstmals wurde die Digitale Automatische Kupplung in Europa in einem kommerziellen Güterzug eingesetzt. Die erfolgreichen Erprobungen zeigen, dass die DAK bereit für den nächsten Schritt auf dem Weg zur europaweiten Einführung ist.
Projektphasen V und VI: Von der Erprobung zum ersten kommerziellen DAK-Zug Europas
Mit den Projektphasen V und VI erreichte DAC4EU den entscheidenden Schritt von der technischen Entwicklung hin zur kommerziellen Anwendung im Bahnbetrieb. Ziel war es, die Digitale Automatische Kupplung (DAK) unter realen Einsatzbedingungen zu qualifizieren, ihre Zuverlässigkeit nachzuweisen und die Grundlage für zukünftige Zulassungen und einen breiteren Einsatz im europäischen Schienengüterverkehr zu schaffen.
In Phase V stand die Qualifikation der einzelnen Komponenten im Mittelpunkt. Die im Projekt entwickelten DAK-Systeme wurden umfassend getestet und weiter optimiert. Dabei lag der Fokus unter anderem auf den mechanischen und pneumatischen Funktionen, der Energie- und Datenübertragung sowie den Anforderungen des Rangierbetriebs. Besonders anspruchsvoll war die Untersuchung des Einsatzes auf Ablaufbergen, wo Güterwagen automatisch getrennt und neu zusammengestellt werden. Die Versuche zeigten, dass die DAK auch in diesen komplexen Betriebsabläufen eingesetzt werden kann und wichtige Voraussetzungen für einen automatisierten Rangierbetrieb schafft.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Erprobung digitaler Funktionen, die über die reine Kupplung hinausgehen. Dazu gehörten neue Lösungen für die Zustandsüberwachung der Kupplung, die automatische Unterstützung von Rangierprozessen sowie die zuverlässige Übertragung von Daten und Energie zwischen den Fahrzeugen. Ergänzend wurde ein spezieller DAK-Prüfstand aufgebaut, auf dem Betriebsbedingungen, Witterungseinflüsse und langjährige Belastungen realitätsnah simuliert werden konnten. Die Untersuchungen bestätigten die Robustheit und Dauerfestigkeit der getesteten Systeme.
Die Ergebnisse aus Phase V bildeten die Grundlage für den nächsten Meilenstein: den Aufbau des ersten kommerziellen DAK-Zuges Europas im Rahmen von Phase VI. Gemeinsam mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) wurde ein bestehender Kalksteinverkehr auf die DAK umgestellt. Dafür wurden elf Güterwagen und eine Lokomotive umgerüstet, neue Betriebsabläufe entwickelt und die erforderlichen Genehmigungen vorbereitet.
Im Frühjahr 2026 nahm der erste vollständig mit DAK ausgerüstete Zug seinen regulären Betrieb auf. Damit konnte erstmals in Europa gezeigt werden, dass die DAK nicht nur auf Teststrecken, sondern auch im täglichen Güterverkehr zuverlässig funktioniert. Die Fahrzeuge absolvierten tausende Kilometer im regulären Einsatz und bewiesen ihre Leistungsfähigkeit selbst unter anspruchsvollen Bedingungen wie Staub, Schmutz und intensiver Nutzung im industriellen Umfeld. Das Betriebspersonal bewertete insbesondere die einfachere Handhabung im Vergleich zur herkömmlichen Schraubenkupplung positiv.
Parallel dazu wurden umfangreiche Messungen durchgeführt, um die Belastungen automatischer Kupplungen in schweren Güterzügen besser zu verstehen. Die gewonnenen Daten liefern eine wichtige Grundlage für die Auslegung zukünftiger Systeme und bestätigen das Potenzial der DAK für längere und schwerere Güterzüge. Darüber hinaus wurden Konzepte und Nachweisverfahren entwickelt, die künftig bei Zulassungen und weiteren Pilotprojekten genutzt werden können.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Projektphasen V und VI konnte DAC4EU zeigen, dass die Digitale Automatische Kupplung den Schritt vom Demonstrator in den kommerziellen Betrieb schafft. Die Erkenntnisse aus den sechs Projektjahren bilden eine wichtige Grundlage für die weitere europäische Entwicklung, Zulassung und Einführung dieser Schlüsseltechnologie im Schienengüterverkehr.